Erste wirksame Mittel gegen Impotenz

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In welcher Zusammensetzung die Tri-Mix-Medikamente im einzelnen verabreicht werden, richtet sich nach der mit Versuchsdosierungen erzielten Erektion. Der Urologe ermittelt die Dosierung, indem er dem Patienten bei seinem Besuch in der Praxis versuchsweise die Substanzen einzeln oder kombiniert in den Penis injiziert. Das allgemeine Befinden dabei, der Grad der erreichten Erektion und die Dauer bis zum Abflauen der Erektion werden von dem Arzt sorgfältig beobachtet. Eine gewöhnliche Dosierung kann zwischen 0,5 und 1 Milligramm Phentolamin, bis zu 30 Milligramm Papaverin und 5 bis 40 Mikrogramm Prostaglandin E1 enthalten.

Steht die exakte Dosierung einmal fest, läßt der Arzt die Mischung in einer Apotheke zubereiten. Der Arzt muß seinem Patienten außerdem zeigen, wie die Auto-Injektion erfolgt. Es kann natürlich einige Zeit dauern, bis man sich daran gewöhnt hat, da das Medikament mit einer dünnen Spritze in den Ansatz des Gliedes injiziert wird. Das klingt zwar äußerst schmerzhaft, jedoch spüren einige Männer ihren Angaben nach lediglich ein leichtes Zwicken. Inzwischen sind seit der Zulassung von Prostaglandin E Fertigzubereitungen auf den Markt gekommen sowie automatische Injektionshilfen, die dem Patienten den Umgang mit dem Mittel erheblich erleichtern.

Nach Verabreichung der Dosis kommt es innerhalb von fünf bis zwanzig Minuten zu einer Erektion. Diese wird durch eine Entspannung der glatten Muskulatur bewirkt, bei der sich die Hauptarterien weiten und Blut in den Penis fließt. Die Erektion kann zwischen dreißig und neunzig Minuten andauern, wobei eine vorhandene sexuelle Stimulation noch verstärkend wirkt. Jedoch verschwindet die Erektion nicht immer unmittelbar nach einem Orgasmus oder einer Ejakulation. Die Injektionen haben eine hohe Erfolgsrate – über 70 Prozent. Im Fall ihrer Wirkungslosigkeit besteht die Hauptursache in der Regel darin,daß das Medikament den schwachen Blutzufluß in den Penis nicht korrigieren kann. In einigen Fällen bringt die Wirkstoffkombination zwar eine Erektion hervor, jedoch lassen beschädigte Blutgefäße das Blut zu schnell wieder abfließen, wodurch die Erektion nicht aufrechterhalten werden kann.

Daß der Arzt die richtige Dosierung für den einzelnen Patienten ermittelt hat, erkennt er daran, daß der Patient bei Verlassen der Praxis keine Erektion mehr aufweist. Eine zu hohe Dosierung kann nämlich den sogenannten Priapismus hervorrufen, eine Dauererektion des Penis ohne sexuelle Erregung, die über drei oder vier Stunden andauert. Unbehandelt kann dieser schmerzhafte und gefährliche Zustand, der seinen Namen Priapos dem griechischen Gott der Fortpflanzung verdankt, zu einer Beschädigung des Gewebes im Penis führen. Glücklicherweise läßt sich eine solche Dauererektion durch Injektion eines adrenalinähnlichen Stoffes in den Penis wieder rückgängig machen.

Natürlich ist es kein Wunder, daß der durch die Injektion der Wirkstoffe in den Penis verursachte Schmerz sowie allein schon der Gedanke daran einem Mann jede Lust auf dieses Verfahren nehmen. In Wirklichkeit ist nicht die Injektion selbst schmerzhaft, sondern es ist das eingespritzte Prostaglandin, das in Verbindung mit den beschädigten Nerven und dem blutarmen Gewebe gelegentlich Schmerzen verursacht.

Obwohl jedes Jahr ungefähr 500 000 Männer diese Art der Behandlung wählen (wobei eine Injektion jeweils etwa 7 Dollar kostet), gibt die Hälfte von ihnen den Versuch schon innerhalb eines Jahres wieder auf. Versuchsreihen aus dem Jahr 1990 ergaben, daß 51 Prozent der Probanden nach nur einer einzigen Versuchsinjektion absprangen. Der durchschnittliche Patient blieb sieben Monate in der Gruppe, bevor er diese verließ. Jedoch haben Urologen festgestellt, daß die Männer, die diese Methode langfristig verwendeten, die anfängliche Abneigung dagegen bald ablegten und schließlich keine Schwierigkeiten mit der Auto-Injektionstherapie hatten. Einige Spezialisten sind der Auffassung, daß die Erfolgsrate auch mit der Genauigkeit der Anweisungen des Arztes oder der ausgebildeten medizinischen Fachkräfte über die Injektionstechnik zusammenhängt. Je präziser die Anweisungen sind, um so mehr erlangt der Patient die nötige Sicherheit bei der Selbstverabreichung der Medikamente.

Inzwischen gibt es ein weiteres Injektionsmittel, das sich auf einen anderen Wirkstoff stützt. Das 1996 von der amerikanischen Nahrungs- und Arzneimittelbehörde zugelassene verschreibungspflichtige Arzneimittel heißt Caverject und ist mit 20 bis 25 Dollar pro Injektion teurer als TriMix. Das Medikament ist in zwei Dosierungen erhältlich und wird als Einzeldosis in einer Wegwerfspritze geliefert, die bereits mit dem Wirkstoff Alprostadil, einem wirksamen Mittel zur Erektionssteigerung, gefüllt ist.

Das Medikament, das fünf Minuten vor dem Geschlechtsverkehr direkt in den Penisansatz gespritzt wird, erhöht die Blutzufuhr, wodurch schließlich eine Erektion ausgelöst wird. Zwar kommen die allgemeinen amerikanischen Krankenkassen nicht für die Injektionstherapie auf, anders ist es jedoch bei einigen privaten Versicherern. In Deutschland sind die gesetzlichen Krankenkassen bei ärztlich gesicherter Diagnose einer Erektionsstörung zur Kostenübernahme verpflichtet.

Ein weiteres »Injektionsmittel« ist seit 1997 auf dem Markt. MUSE wurde von einem jungen kalifornischen Unternehmen mit dem Namen Vivus entwickelt und verwendet einen speziell konstruierten Applikator, der direkt an die Spitze des Penis gehalten wird. Durch Druck auf den Applikator wird eine winzige, reiskorngroße Tablette, die den Wirkstoff Alprostadil enthält, in die Harnröhre eingeführt. Dort löst sich die Tablette in der vom Urin hinterlassenen Flüssigkeit auf und löst wenige Minuten später eine Erektion aus.

Obwohl es sich hierbei um einen im Vergleich zur Injektion weniger krassen Eingriff handelt, ist auch MUSE noch weit davon entfernt, eine perfekte Lösung bei Erektionsversagen zu bieten, da es auch ohne jeglichen sexuellen Anreiz durch einen Partner eine künstliche Erektion erzeugt. Außerdem klagen viele Männer über ein Brennen im Penis nach Verwendung des Mittels. Ebenso wie bei der injizierten Wirkstoffkombination muß der Arzt die für den einzelnen Patienten richtige Dosierung ermitteln. Manche Männer benötigen das Doppelte oder Dreifache der Standarddosis, während andere so empfindlich reagieren, daß sie schon bei der niedrigsten Versuchsdosis zusammenbrechen. Ich kann Ihnen nur raten, die Dosierung niemals ohne Konsultation des Arztes zu ändern.

Einige Männer sind mit der Gesamtwirkung der Mittel auf die Erektion nicht zufrieden. Ein Patient beschrieb das Aussehen seines Penis nach der Behandlung sogar mit den Worten »eine Schlange, die eine Maus verschluckt hat. Mein Penis war oben, wo sich die Tablette aufgelöst hat, groß und hart, aber weiter hinten weich und schlaff. Als meine Frau und ich Sex haben wollten, mußte ich mein Glied regelrecht reinstopfen, anstatt es einfach einzuführen. Es war in jeder Hinsicht ein frustrierendes Erlebnis.«

Trotz der zugegebenermaßen vorhandenen Unzulänglichkeiten des Medikaments vertreten einige Urologen die Auffassung, MUSE habe durchaus einen Platz unter den potenzfördernden Mitteln verdient. »Oft sind Männer, die MUSE anwenden, ohne vorher eine der anderen Methoden ausprobiert zu haben, ganz zufrieden mit den Ergebnissen«, sagt der New Yorker Urologe Dr. Eli Lizza. Nach den ersten Reaktionen auf das Medikament zu urteilen, wollten tatsächlich eine ganze Reihe von Männern das Mittel testen. Innerhalb der ersten drei Wochen nach der Markteinführung war der für das gesamte erste Jahr vorgesehene Bestand des Mittels ausverkauft, und das Unternehmen konnte mit der unerwarteten Nachfrage kaum Schritt halten.

Penisprothesen wurden im allgemeinen bei älteren Patienten durch eine Operation eingesetzt, noch bevor injizierbare Medikamente zur Verfügung standen. Eine Prothese ist teuer, sie kostet zwischen 5 000 und 6 000 Euro. Oft handelte es sich dabei um die einzige Behandlungsmöglichkeit für Männer, deren Sexualleben als Folge von Diabetes, tiefgreifenden Beckenoperationen zur Behandlung von Prostatakrebs, schweren Blasenoder Darmleiden oder durch physische Beschädigung des Penis deutlich beeinträchtigt war.

Man unterscheidet im wesentlichen zwischen zwei Arten von Penisimplantaten: auffüllbare Prothesen, von denen es eine Reihe verschiedener Modelle gibt, sowie flexible, halbstarre Prothesen. Während der Operation wird ein Paar Stäbe oder Kunststoffzylinder in den Penis eingepflanzt. Die äußerst kompakten, hohlen Zylinder, die in verschiedenen Weiten und Längen erhältlich sind, werden in den Schwellkörpern implantiert. Im unteren Teil des Bauches wird ein kleines Reservoir, das die Flüssigkeit für die Zylinder enthält, eingesetzt, und in den Hodensack wird eine Pumpe eingepflanzt.

Sooft der Mann eine Erektion bekommen möchte, drückt er einige Male auf die Pumpe, welche die Flüssigkeit aus dem Behälter in die auffüllbaren Zylinder überträgt. Diese schwellen an und dehnen so den Umfang und die Länge des Penis. Um die Erektion zu beenden, betätigt der Mann das am oberen Teil der Pumpe angebrachte Ventil, die Flüssigkeit wird dann in das im Unterleib befindliche Reservoir zurückgeleitet, und das Glied erschlafft wieder.

Dieses auffüllbare Implantat hat den besonderen Vorteil, daß der Mann auf die Erektion nicht erst warten muß. Der Nachteil liegt in seiner komplexen Beschaffenheit. Die Vorrichtung ist mechanisch so kompliziert, daß bei Auftreten von Problemen (bei etwa 5 Prozent der operierten Patienten) ein operativer Eingriff erforderlich ist. Ein weiterer Mangel liegt unter anderem in den nach der Operation auftretenden Komplikationen: Manche Patienten leiden bis zu sechs Wochen nach dem Eingriff unter starken Schmerzen im Glied und im Unterleib.

Die flexible, halbstarre Prothese besteht aus zwei Silikonstäben, die ganz leicht zu krümmen oder geradezubiegen sind. Nach erfolgter Implantation hat der Mann eine permanente Erektion. Durch Biegen der Stäbe kann der Penis eng an den Körper angelegt und dessen Zustand so verborgen werden. Bei Bedarf wird das Glied mit einem oder zwei Fingern aufgerichtet und ist so unmittelbar für den Geschlechtsverkehr bereit.

Zwar ist diese Vorrichtung einfach zu verwenden, bietet jedoch nur bedingt Vorteile. Bei beiden Arten der Implantation besteht die Gefahr einer Infektion. In dem Fall müssen die Prothesen entfernt werden. Abhängig von dem Ausmaß, in dem das Penisgewebe angegriffen wurde, kann nach hinreichender Heilung unter Umständen eine neue Prothese eingepflanzt werden. Als Folge können jedoch so starke Narben zurückbleiben, daß eine weitere Neuimplantation vollkommen ausgeschlossen ist und der Patient für immer jegliche Aussicht auf Geschlechtsverkehr verliert.

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