Mein wachsendes Bewußt sein für den großen Bedarf an medizinischer Hilfestellung bei Erektionsstörungen wurde von meinen Patienten ausgelöst. Viele kommen nicht nur mit einer Erkältung oder wegen ihres Cholesterinspiegels in meine Praxis, sondern sie tragen auch ihre Hoffnungen und Ängste an mich heran. So auch Mark und seine Frau Lucy.
Mark, ein sehr gut aussehender, achtunddreißigjähriger Wertpapierhändler an der Wall Street, erfreute sich durchaus bester Gesundheit. Er kam schon seit fünf Jahren in meine Praxis, als er mir plötzlich verändert erschien. Ich fragte ihn geradeheraus, ob ihn etwas Bestimmtes bedrücke.
»Ich habe viel Streß, mehr als sonst«, erzählte er mir. »Und so wie es mit der wirtschaftlichen Entwicklung aussieht, nimmt der Streß auch so schnell kein Ende. Für mich und meine Geschäftspartner heißt es jetzt: alles oder nichts.«
»Wie wirkt sich das auf Ihre Ernährung und Ihren Schlaf aus?« fragte ich ihn. »Und wie steht es mit Ihrer Lebensqualität im allgemeinen?« ,
»Ich ernähre mich eigentlich ganz vernünftig«, antwortete er, ohne auf meine letzte Frage einzugehen. »Aber ich schlafe nicht besonders gut. Und ich muß zugeben, daß ich jetzt mehr Wein zum Essen trinke. Ich brauche den Alkohol, um abschalten zu können.«
Da die Ergebnisse von Marks Untersuchung keine ungewöhnlichen Werte aufzeigten und keine Rückschlüsse auf eine körperliche Erkrankung zuließen, riet ich ihm, sich auf ein Glas Wein pro Abend zu beschränken und nach Möglichkeit täglich eine Stunde mehr zu schlafen. Beim Abschied fragte ich ihn noch nach Lucy.
»Ihr geht’s gut«, meinte er kurz angebunden und eilte hinaus.Zufällig war Lucy in der folgenden Woche mit ihrer jährlichen Kontrolluntersuchung an der Reihe. Körperlich war auch bei ihr alles in bester Ordnung, aber sie wirkte bedrückt und angespannt. Mit Sicherheit hatte sich seit ihrem letzten Besuch in meiner Praxis etwas in ihrem Leben verändert, und ich fragte mich, was es sein könnte. Offensichtlich litten beide Eheleute an demselben Problem.
»Hat Mark mit Ihnen geredet?« fragte sie. Da ich nicht sicher war, worauf sie hinauswollte, schüttelte ich den Kopf. »Er hatte es mir versprochen«, sagte sie mit einem Seufzer. Behutsam fragte ich, was sie bedrückte. »Es geht nicht nur um mich, es betrifft uns beide«, erklärte sie. »Aber es wäre nicht richtig, wenn ich allein mit Ihnen darüber sprechen würde. Ich rede heute abend mit ihm und versuche ihm klarzumachen, daß wir beide gemeinsam in Ihre Sprechstunde kommen sollten.«
Was immer Lucy nach ihrem Besuch in meiner Praxis zu Mark sagte, es hatte jedenfalls den gewünschten Effekt. Ein paar Wochen später kamen beide zusammen zu mir, sie wirkten recht angespannt und nervös.
»Ich weiß, irgend etwas stimmt nicht, und ich möchte Ihnen beiden helfen«, sagte ich. »Aber solange ich nicht weiß, worum es geht, kommen wir nicht weiter.« »In Ordnung«, begann Mark, »es geht um folgendes: Bei uns läuft es sexuell seit zehn Monaten nicht mehr so richtig – es liegt an mir. Ich bekomme keinen hoch. Ich dachte zuerst, es liege am Streß und am Alkohol. Ich habe nach dem letzten Check-up sogar aufgehört zu trinken, weil ich irgendwo gelesen habe, Alkohol könne sich auf die sexuelle Leistung auswirken. Aber es hat überhaupt nichts gebracht. Mir geht es bei alldem nicht nur persönlich schlechter, auch meine Arbeit leidet darunter. Offen gestanden, es ist das Letzte. Ich habe kein Selbstvertrauen mehr«, gab er zu.
»Sie haben recht, was den Alkohol anbetrifft«, stimmte ich ihm zu, »er kann die Funktion des Penis durchaus beeinträchtigen.« »Aber wenn das nicht die Ursache ist, und wenn Mark doch körperlich völlig in Ordnung ist, dann mache ich vielleicht etwas falsch«, warf Lucy ein. »Wir haben in jeder Hinsicht eine gute Beziehung und sind nicht der Meinung, daß wir zur Eheberatung müßten, aber vielleicht sollten wir es doch versuchen, wenn es bei uns mit dem Sex auch weiterhin nicht klappt. Was sollen wir nur tun?«
Die Lösung, teilte ich ihnen mit, ist möglicherweise schon greifbar nahe. »Ihre Probleme sind nicht ungewöhnlich. Sie kommen sogar häufiger vor, als die meisten Leute glauben«, sagte ich. »Mark, Ihren erst vor kurzem festgestellten Werten nach zu urteilen habe ich keinen Anlaß zu der Vermutung, daß Ihre Erektionsprobleme körperliche Ursachen haben. Es liegt wahrscheinlich an der steigenden beruflichen Belastung. Ich nenne es das »Phänomen der vielbeschäftigten Leute«, und mit diesem Phänomen werde ich immer häufiger konfrontiert. Es ist zu hoffen, daß der Druck eines Tages nachläßt und Sie in der Arbeit ein wenig kürzer treten können.
Vielleicht wird sich das günstig auf Ihre Potenz auswirken. Bis dahin steht uns jedoch ein wirksames Mittel zu Verfügung. Es gibt zwei risikofreie Medikamente in Tablettenform, die unabhängig von der primären Ursache der Störung bei Erektionsproblemen helfen. Eines der Mittel, Vasomax, erhalten meine Patienten im Rahmen einer noch nicht abgeschlossenen Versuchsreihe im Auftrag eines Pharmaherstellers. Das andere, Viagra, wird ebenfalls noch untersucht, jedoch in anderen Teilen der Vereinigten Staaten und in Europa. Ich versuche, Patienten und ihre Partner für die Teilnahme zu gewinnen. Und da Sie nun einmal beide hier sind, wollen Sie nicht an der Untersuchung teilnehmen?«
Ich erklärte Mark und Lucy den besonderen Vorteil dieser Medikamente, der darin besteht, daß sie die Auslösung und die Stabilisierung von Erektionen auf biochemische Weise bewirken.
Allerdings muß eine normale sexuelle Stimulation vorhanden sein, um eine Erektion zu ermöglichen. Mit anderen Worten, Gefühl und Zärtlichkeit spielen eine große Rolle bei der erfolgreichen Wirkung der Medikamente. Eines aber ist sicher: Sie verhelfen einem Mann zu der bestmöglichen Kombination von Lust und körperlicher Leistung.
Mark und Lucy ließen zunächst Skepsis erkennen, waren aber zu allem bereit. Nachdem die beiden die für die Untersuchung notwendigen Papiere unterschrieben und Blutproben abgegeben hatten, gab ich Mark eine Tablette Vasomax zum Einnehmen. Während der darauffolgenden Stunde überwachte ich Marks Blutdruck und Puls.
Eine mögliche Nebenwirkung von Vasomax besteht nämlich in dem starken Abfall des Blutdrucks bei gleichzeitiger Beschleunigung der Herzfrequenz. Falls der Blutdruck gegenüber den Werten vor Einnahme der Dosis um mehr als 30 Punkte sinkt, kommt das Medikaments nicht in Frage. Marks Blutdruck fiel jedoch nur um 10 Punkte, weitere Änderungen ließen sich nicht feststellen. Sein Puls erhöhte sich um 10 Schläge pro Minute, was durchaus zu erwarten war. Mark eignete sich also für die Untersuchung, und ich gab ihm eine Monatsration an Pillen mit.
Einige Tage später erhielt ich ein Fax von Mark, auf dem nur zwei Wörter standen: »Es funktioniert!« Nach ein paar Monaten war Mark nicht nur wieder er selbst, es ging ihm sogar besser als je zuvor. Er stellte erstaunt fest, daß er das Medikament manchmal gar nicht mehr einzunehmen brauchte, um eine Erektion zu verspüren. Beruflich leistete er mehr als vorher, und er trank nur mäßig Alkohol, wenn überhaupt. Das wichtigste aber war, daß er die Ursache seiner Erektionsstörungen begriffen hatte. Er hoffte, bald ganz ohne Medikamente auszukommen. Und er wußte: Sollten die Erektionsstörungen erneut auftreten – aus welchen Gründen auch immer – könnte er die Einnahme des Medikaments unter meiner Aufsicht erneut beginnen.
