Testosteronmangel

by admin

Wenn ein Mann unter einem echten Testosteronmangel leidet, kann eine Testosterongabe Wunder wirken. Dies war der Fall bei meinem vierundfünfzigjährigen Patienten namens Bill. Als er den beständigen Rückgang seines Sexlebens bemerkte, erzählte er mir klugerweise bald davon. Er war ein Mann, der dreiundzwanzig Jahre lang ein regelmäßiges Sexleben mit seiner Frau Emily geführt hatte und nun völlig ratlos war. »Ich verliere die Lust auf Sex«, sagte er. »Ich nehme an, das ist in meinem Alter unumgänglich – vielleicht habe ich nicht mehr so viel Testosteron wie früher.«

Ich sagte Bill, daß seine Einschätzung wahrscheinlich richtig sei und führte eine Blutuntersuchung durch, um unsere These zu stützen. Sein Hormonlevel war bei niedrigen 220 Nano-gramm – alles unter 300 gilt als Mangelerscheinung. Ich untersuchte ihn auf Auffälligkeiten, die auf einen Zustand hindeuten könnten, der diese niedrigen Werte verursachte – Hoden- oder Prostatakrebs, Erkrankung der Hirnanhangdrüse und Leberzirrhose sind bekannte Auslöser – und fand keinerlei Anzeichen. Also empfahl ich ihm eine Testosteronspritze.

Einige Tage nachdem er eine Injektion von 200 Milligramm bekommen hatte meldete Bill sich wieder bei mir: Seine Libido war definitiv angeregt worden. Zwei Wochen später erhielt er noch eine zweite Spritze, und kurz danach stellte ich ihn auf transkutane Pflaster um. Damit konnte er sich leicht selbst versorgen. Jede Nacht klebte er zwei Pflaster auf seinen Körper, entweder auf einen Oberschenkel, einen Oberarm, den Rücken oder den Unterleib. Jedes der 2,5-Milligramm-Pflaster gibt die Hormone langsam durch die Haut in den Blutstrom ab. Nach einem Monat mit den Pflastern rief Bill mich wieder an. »Ich habe wieder meine normale Form erreicht,« erzählte er mir. »Es fühlt sich an, als ob ein alter Freund für immer zurückgekehrt ist.«Forschungen an der Medizinischen Hochschule der Universität von St. Louis haben ergeben, daß bei Männern, denen über drei Monate Testosteron injiziert wurde, sowohl da sexuelle Verlangen als auch die Muskelbildung verstärkt wurde. Und bei einer Studie, die 1995 an der Medizinischen Hochschule von Chicago durchgeführt wurde, fand man heraus, daß eine geringe, regelmäßige Dosis Testosteron über zwei Jahre lang anscheinend keine Nebenwirkungen zeigte.

Ein an dieser Studie beteiligter Forscher sagte, daß die Männer, die diese Injektionen bekamen, sich besser fühlten, massivere Knochen, geringere Cholesterinwerte und einen größeren sexuellen Appetit hatten als die Männer, die kein zusätzliches Testosteron bekamen.

Aber außer im Falle von Hypogonadismus glaube ich nicht, daß es genügend wissenschaftliche Argumente gibt, um Männern mit normalen Werten zusätzliches Testosteron zu verabreichen. Wenn man einem Mann zusätzliches Testosteron gibt, das er eigentlich gar nicht braucht, schrauben Hirnanhangdrüse und Hypothalamus – die normalerweise die Testosteronpro-duktion auslösen – ihre Arbeit zurück oder stellen sie ganz ein. Wenn die Aktivität der Hirnanhangdrüse unterdrückt wird, beginnen die Hoden zu verkümmern und der Mann wird unfruchtbar. Eine weitere Nebenwirkung ist die Blutverdickung, die zu einem größeren Schlaganfallrisiko führen kann. Zusätzliches Testosteron kann auch Prostatakrebs fördern.

Wenn Sie das Gefühl haben, daß Ihre Libido nachläßt, können Sie Ihre Testosteronwerte auch auf natürliche Weise erhöhen. Beginnen Sie mit einem Krafttrainingsprogramm, das Ihre Muskeln im Rumpf und in den Beinen kräftigt. Nach einigen Trainingsessions wird es einen kurzfristigen Testosteronschub geben. Dieser natürliche Schub kann durch fortgesetztes Training erhalten werden und Sie haben außerdem den Vorteil, eines kräftigeren Körpers und besserer Muskeln. Ein anderer Faktor, den Sie bei der Selbstbeurteilung bedenken sollten, ist Streß. Wenn der Streß steigt, beginnen die Testosteronwerte zu fallen.

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