Potenzstörungen früher

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Erektionsstörungen waren schon immer ein Problem, und seit Tausenden von Jahren suchte man nach Möglichkeiten, dieses Problem zu lösen. Es ist nicht weiter erstaunlich, daß Beurteilung und Therapie dieses Leidens sich vor dem kulturellen Hintergrund und den Glaubensmustern der jeweihgen Zeit entwickelt haben. Um genau zu verstehen, wie weit Erektionsschwierigkeiten zurückreichen, genügt ein Blick in die Bibel. In der Schöpfungsgeschichte gelten Erektionsstörungen als Strafe für Ehebruch. Abimelech traf die Vergeltung, nachdem er nur daran gedacht hatte, mit Abrahams Frau zu schlafen. Die Ägypter schrieben vor rund zweitausend Jahren die ersten Rezepte zur Behandlung von Erektionsstörungen auf. In ihrer Kultur wurde dieses Problem dem Zorn eines bestimmten Gottes zugeschrieben, und eine für die Zeit typische Gegenmaßnahme bestand darin, den jeweiligen Götzen durch Gaben zu besänftigen. Bei anderen Gelegenheiten wurde die geschwächte oder verlorene sexuelle Potenz mit Hilfe von Kräutern behandelt.

Auch die Griechen der Antike kannten bereits Erektionsstörungen. Zu ihrer Zeit herrschte allgemein der Glaube, daß jeder Mann, der sich als Kind einmal auf einen Grabstein gesetzt hatte, eine ganze Reihe von Potenzproblemen erfahren würde. Die Heilmethode bestand darin, einen aus dem Abrieb eines Messers, mit dem ein Schafbock kastriert wurde, angefertigten Trunk zu sich zu nehmen.

Interessant ist, daß die ersten Hinweise auf die psychologischen Wurzeln der Erektionsstörungen sich bis zu der griechischen Legende des Iphiklos zurückverfolgen lassen. Als junger Mann sah Iphiklos, der Sohn des Königs Phylakos, seinen Vater inst auf sich zukommen, in der Hand den Griff eines blutbeschmierten Messers, mit dem ein Schafbock kastriert worden war. Von dem Gedanken gepeinigt, daß sein Vater die Waffe gegen ihn richten könnte, entwickelte Iphiklos bald darauf chronische Erektionsschwierigkeiten. Ein Arzt namens Melampos entwickelte eine Methode zur Behandlung des jungen Mannes, deren Prinzip später in der Psychiatrie häufig eingesetzt wurde. Er zeigte dem Prinzen das Kastriermesser. Als dieser sah, daß das Blut darauf getrocknet und das Messer selbst verrostet war, gelang es Iphiklos, seine Angst zu überwinden, und seine Erektionsstörungen verschwanden.

Die wenigsten Männer hatten soviel Glück wie der junge Grieche. Im Mittelalter führte die katholische Kirche Erektionsstörungen auf Hexerei zurück und sah darin die Auswirkungen der Teufelsbesessenheit. Ein sexueller, als »Ligatur« bekannter Zauber wurde in der Regel dazu verwendet, bei einem ahnungslosen Feind durch die Kraft der Suggestion Erektionsstörungen hervorzurufen. Der Geisterbeschwörer knüpfte einfach eine Reihe von Knoten in ein Stück Schnur oder ein Lederband, das er dann an einem geheimen Ort versteckte. Anschließend ließ er sein Opfer wissen, was geschehen war. Man glaubte, das Opfer würde dann je nach Anzahl und der besonderen Art der Knoten eine teilweise oder vollständige Impotenz entwickeln. In manchen Fällen sollte es angeblich möglich gewesen sein, vollkommene Sterilität hervorzurufen. Selbstverständlich waren solche Verwünschungen weitgehend von dem Glauben an Zauberei abhängig. Wenn ein Mann an die Macht des Zaubers glaubte, konnte er dadurch beeinflußt werden. Umgekehrt konnte er positive Ergebnisse erzielen, wenn er der Meinung war, eine Zauberformel könnte den Bann brechen.

Hausmittel kamen immer dann zum Einsatz, wenn die sexuelle Potenz des Mannes Anzeichen von Schwäche zeigte. Eine schier endlose Folge von aus Kräutern gebrauten Getränken, irgendwelchen Arzneien und mechanischen Vorrichtungen wurde im Lauf der Jahrhunderte ausprobiert, angefangen von dem gemahlenen Horn des Rhinozeros über die zu Pulver verarbeiteten Hoden von Antilopen, Hirschen oder Pferden bis hin zu abgeschnittenen menscfflichen Fingernägeln. Im Zustand größter Verzweiflung wurde bisweilen ein Stück Knochen in die Harnröhre eingeführt, um den Penis zu versteifen.

Die Wurzel der Alraune, einer Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse, setzte man im mittelalterlichen Europa, in Nordafrika und in Asien häufig sowohl als Schmerzmittel wie auch bei Erektionsstörungen ein. Sie wird bereits im Alten Testament unter dem Namen »dudaim« als das von Jakob verwendete Stimulans erwähnt. Die lange, dicke Wurzel der stengellosen Pflanze mit den glockenförmigen Blüten ist häufig in zwei Teile gespalten und ähnelt dem unteren Teil des männlichen Rumpfes. Sie enthält eine Vielzahl von medizinisch wirksamen Alkaloiden und ist deshalb nicht nur die in der medizinischen Literatur am häufigsten diskutierte Pflanze, sondern auch Gegenstand von Mythen und Aberglauben. Alka-loide gehören zu den stickstoffhaltigen pflanzlichen Substanzen, die eine starke Wirkung auf die Körperfunktionen haben, einige der am häufigsten vorkommenden Alkaloide sind Atropin. Morphin, Chinin sowie Kodein.

Eine wichtige Rolle spielte natürlich auch die Nahrung. Im Lauf der Geschichte wurden immer wieder Nahrungsmittel, besonders solche mit einer dem Phallus ähnlichen Gestalt, zur Förderung der sexuellen Potenz eingesetzt. Spargel, Bananen, Möhren und Gurken sind nur einige Beispiele hierfür. Einige Eingeborenenstämme in Küstenbereichen pflegten den Brauch, lange, schlanke Fische an ihrem Penis zu reiben, in der Hoffnung, ihr Glied würde dann ebenso lang und hart werden.

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