Wissenschaftler haben ebenfalls herausgefunden, daß die Libido auch von dem männlichen Sexualhormon Testosteron abhängig ist. Testosteron ist technisch gesehen ein Androgen, eine Art Steroid, das als männliches Sexualhormon agiert, und die vermännlichenden Elemente vermittelt, welche die Entwicklung von Muskelgewebe, den Abfall der Stimme in der Pubertät und ein allgemeines Wachstum einschließlich des Penis hervorrufen. Es hat noch andere, daraus resultierende Auswirkungen und beeinflußt die Libido, das Erinnerungsvermögen und den Muskelanteil an der Körpermasse. Interessanterweise haben Jungen bei der Geburt die gleichen Testosteronwerte wie junge, männliche Erwachsene. Diese fallen aber schnell wieder und bleiben bis zur Pubertät gering. Dann steigen sie und setzen die Entwicklung der männlichen Charakteristika in Gang.
Die Testosteronproduktion nimmt weiter zu, bis sie etwa im Alter von vierzig langsam abebbt. Danach sinkt sie um etwa 10 Prozent in jedem Lebensjahrzehnt. Wenn ein Mann sechzig ist, kann es sein, daß die Werte nur noch ein Drittel von dem betragen, was sie zwischen zwanzig und vierzig betrugen. In dieser Zeit lagen die Werte zwischen 300 und 1000 Nanogramm pro Deziliter Blut. Man schätzt, daß etwa ein Drittel der Männer über fünfzig verringerte Testosteronwerte aufweisen und daß mit fünfundsechzig mehr als 60 Prozent niedrige Testosteronwerte haben. Trotz der Verringerung von Testosteronen bleiben die »freien« Testosteronwerte normalerweise auf einem normalen, ausreichenden Niveau. Nur eine sehr kleine Minderheit von Männern benötigt Testosteron als Zusatzstoff. Das Merkmal eines Mannes mit wenig Testosteron ist eine verringerte Libido.
Vielleicht wollte die Natur, daß die Testoste oriwerte mit dem Alter sinken. Vielleicht schützt der Körper sich selbst vor der Prostatavergrößerung – die durch Testosteron anwächst -, indem die normale Produktion dieses Hormons verringert wird. Aber die Funktion dieses Absinkens ist immer noch unklar. Das Hormon zirkuliert im Blutstrom des Mannes und wirkt auf sein Gehirn, um sein sexuelles Verlangen zu steigern, und so kann es auch die Penisreaktion intensivieren. Das Testosteronniveau steigt und fällt während des Tages; einige Forscher glauben, daß es einen Stundenrhythmus gibt. Es gibt sogar eine Variation über die Monate. Typischerweise sind die Testosteronwerte im Februar am niedrigsten und im Herbst am höchsten.
Aber trotz der Tatsache, daß das Testosteron einen entscheidenden Einfluß auf die Libido hat, hat es wenig damit zu tun, ob ein Mann eine Erektion bekommt oder nicht. Und trotzdem bringen einige Ärzte fälschlicherweise verringerte Testosteronwerte mit Erektionsstörungen in Verbindung und verschreiben ihren Patienten Testosteronpflaster oder monatliche Spritzen. Die Erhöhung von leicht verringerten Testosteronwerten verbessert die Erektionen sehr selten, wenn überhaupt.
Testosterongaben sind ein sehr strittiges Thema, außer bei Männern die unter Hypogonadismus leiden. Männer mit dieser Erkrankung haben extrem niedrige Testosteronwerte – unter 300 Nanogramm pro Deziliter – aufgrund einer Unterfunktion der Hoden. Zu den Symptomen gehören eine verringerte Libido, Stimmungsumschwünge, Schlaflosigkeit, Gereiztheit, verringerte Knochenmasse, Schwäche, Lethargie und der Verlust von Muskelmasse. Diese Männer leiden auch unter verringerter Erektionsfähigkeit, einem allgemein geringeren sexuellen Verlangen, und es besteht das Risiko einer Osteoporose.

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