Das verzweifelte Bedürfnis nach einer schnellen, wirksamen Lösung bei Erektionsstörungen wurde mir durch eine Handlung eines meiner Patienten erst richtig bewußt. Es ist ein Fall, den ich nicht vergessen kann. Miles, ein ruhiger Mann mit sanftem Wesen, ging auf die Vierzig zu, als er vor fünfzehn Jahren das erste Mal zu mir kam. Ich lernte ihn kennen, als ich seine Frau Kathy wegen einer Lungenentzündung behandelte. Miles, Vater von drei Kindern und äußerst erfolgreich in seinem Beruf, war vollkommen gesund. Seine einzige Beschwerde, wenn überhaupt, war ständige Müdigkeit. Seine Lebensenergie hatte nachgelassen, wie er mir mitteilte.
Ich fürchtete, daß es sich hierbei um die ersten Warnsignale für eine allgemeine Depression handeln könnte, und fragte ihn, ob er seinen Zustand auf ein einzelnes Ereignis oder eine Änderung seiner Lebensumstände zurückführen könne. Er verneinte meine Frage ohne besondere Gefühlsregung und sagte, daß er wahrscheinlich zu viel arbeite und das die Auswirkungen wären. Aber im Verlauf seiner halbjährlichen Besuche kam es nie zu einer Besserung seines Zustands. Schließlich riet ich ihm, einen Psychiater aufzusuchen, was er als unnötig ablehnte.
Schließlich teilte er mir doch etwas Neues mit. Von Zeit zu Zeit habe er Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen. Ich gab wieder, was ich gelernt hatte: Sein Problem gehöre in den Bereich der Psychiatrie, nicht der inneren Medizin. Ich zitierte sogar die ehernen Statistiken, die alle Ärzte jener Zeit auswendig kannten: »Fast 90 Prozent aller sexuellen Probleme sind psychischer Natur.« Mit diesen Worten nannte ich ihm die Namen einiger hochangesehener Spezialisten, und Miles erklärte sich bereit, einen von ihnen aufzusuchen. Das war das erste – und letzte – Mal, daß er sein Problem jemals erwähnte.
Einige Monate nach diesem Gespräch erhielt ich einen aufgeregten Anruf von Kathleen, die mich bat, zu ihr in die Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses zu kommen. Miles hatte eine Überdosis Tabletten geschluckt. Als ich im Krankenhaus ankam, war es zu spät. Miles war bereits gestorben.
Kathleen berichtete mir schließlich über die Reihe der Ereignisse, die zu diesem Unglück geführt hatten. Die traurige Wahrheit bestand darin, daß Miles sich zum Teil wegen einer wachsenden Verzweiflung über seine sexuelle Funktionsstörung das Leben genommen hatte. Kathleen glaubte, der Verlust der Fähigkeit zur Erektion habe sein Selbstvertrauen und schließlich sein ganzes Selbst zerstört. Sein Gefühl, ständig zu versagen, war so ausgeprägt, daß er seinen Kindern nicht länger ein Vater, seiner Frau nicht länger Ehemann sein konnte. Sein Selbstwertgefühl sank so weit, bis er keinen anderen Ausweg mehr sah.
Der Fall Miles ging mir lange Zeit nicht aus dem Kopf. Ich fragte mich, welche Teile des Puzzles ich übersehen hatte und wie ich hätte rechtzeitig eingreifen können. Er hatte mir gesagt, er leide aufgrund seiner Arbeit unter Streß. War das möglicherweise der Grund für seine Erektionsstörungen?
Mir wurde klar, daß Miles wahrscheinlich zu den Millionen Männern gehörte, die im verborgenen leiden. Es mußte einen Weg geben, denjenigen zu helfen, die Hilfe benötigten. Aber bevor das sich realisieren ließ, mußte ich alle vorhandenen Informationen über die Physiologie des Penis, das Zusammenspiel der männlichen Sexualorgane und über die bestehenden Behandlungsmöglichkeiten herausfinden. Ich befragte Kollegen, die sich als Urologen, Psychiater, Psychologen und Sexualtherapeuten spezialisiert hatten. Ich traf mich mit Ärzten, die an Prostatakrebs und Diabetes erkrankte Patienten behandelten.
Das erste und gleichzeitig erstaunlichste, was ich erfuhr, war, daß es neben der psychiatrischen Behandlung im Prinzip nur drei Mittel gab, Erektionsstörungen abzuhelfen: die Vakuumerektionstherapie, die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie und Penisprothesen.
