Ein Herzmittel wird zum Potenzmittel

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Das nächste Zusammenwirken von Timing und Glück, das die Forscher der Entdeckung eines oralen Heilmittels gegen Erektionsstörungen noch näher brachte, war die Entdeckung von unerwarteten und letztlich vorteilhaften Nebenwirkungen anderer Medikamente. In den frühen 90er Jahren beschäftigten sich in England tätige Wissenschaftler der Sandwich Laboratories, die der Pfizer Inc., einem in den USA ansässigen pharmazeutischen Unternehmen gehörten, mit der Erforschung von Genrezeptoren. Ihr Ziel war es herauszufinden, wie sich der Blutstrom im Körper steigern ließe, um die mit Angina pectoris verbundenen Schmerzen zu lindern. Hierbei handelt es sich um ein wesentliches Symptom der als Myokardischämie bezeichneten Herzbeschwerden. Diese Störung tritt dann auf, wenn dem Herzmuskel nicht mehr die benötigte Menge Blut zugeführt wird.

Wie sich herausstellte, hatte das untersuchte Medikament nur einen geringen Einfluß auf den Kreislauf und die Herzfunktionen der an der Versuchsreihe beteiligten Freiwilligen. Die letzte Hoffnung der Forscher bestand darin, die Dosierung zu ändern, um auszuprobieren, ob sich dadurch ein Unterschied ergebe. Ihre Wünsche erfüllten sich, jedoch nicht ganz so, wie die Wissenschaftler es sich vorgestellt hatten. UK-92-480 hatte keine Auswirkung auf die Blutzufuhr in der Brustgegend; das Mittel wirkte sich auf die Blutzufuhr in den Penis aus und verursachte Erektionen.

Die Forscher von Pfizer änderten die Richtung ihrer Untersuchungen und beschäftigten sich nun mit dem Prozeß, durch den bestimmte Enzyme im Körper zum Auslösen einer Erektion beitragen. Je mehr Untersuchungen sie mit UK-92-480, dem Codenamen des Medikaments, das später Sildenafil hieß und schließlich den Markennamen Viagra erhielt, durchführten, um so deutlicher wurde ihnen klar, daß sie unbeabsichtigt auf etwas absolut Neues in den Annalen der Medizin gestoßen waren. Offensichtlich hatten sie ein wirksames Medikament zur Herbeiführung von Erektionen gefunden.

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