Gerade mal drei Möglichkeiten einer Behandlung der Erektionsstörungen zu haben, wenn auch alle mit Nebenwirkungen oder beträchtlichen Nachteilen verbunden, war sicher besser als gar keine Lösung. Aber die Lösungen waren alles andere als völlig zufriedenstellend und unterwarfen die Betroffenen einer Vielzahl von Einschränkungen.
Das war auch bei Frank der Fall. Schon 1989 hatte ich begonnen, den 45jährigen wegen Arteriosklerose zu behandeln, also wegen Ablagerungen an den Gefäßwänden, die schließlich zu einer Verstopfung der Arterien führen, wodurch der Blutstrom behindert wird. Ein Cholesterinwert von 260 gab zusätzlich Anlaß zur Sorge, und Frank mußte sich ärztlicher Beobachtung unterziehen, um Herzbeschwerden vorzubeugen. Es gab da jedoch noch einen weiteren wunden Punkt. Einer der primären Warnhinweise auf Arteriosklerose ist eine verminderte erektile Funktion, und ich fragte Frank, ob er ein solches Problem bei sich festgestellt habe.
Er reagierte zunächst etwas verblüfft auf meine Frage, doch dann brach es förmlich aus ihm heraus: »Woher wissen Sie das?« Und obwohl es ihm anfangs gar nicht leichtfiel, über sein Problem zu sprechen, wurde er im Laufe unserer Unterhaltung schließlich doch ungezwungener.
»Ihnen kann geholfen werden«, teilte ich ihm mit. Allerdings wußten wir beide, daß die Situation für Frank, der keine feste Beziehung hatte, schwierig und frustrierend war. Einerseits beunruhigte ihn sein stetig zunehmendes Unvermögen, eine Erektion zu bekommen, immer mehr. Auf der anderen Seite empfand er die Möglichkeiten einer Behandlung als so abstoßend, daß er befürchtete, dadurch jeden potentiellen Sexualpartner gleich wieder zu verlieren.
Als erstes unternahm Frank einen Versuch mit der Vakuumpumpe. Sie erzeugte zwar auf zuverlässige Weise eine Erektion und erzielte die gewünschte Wirkung, doch nach ein paar Monaten gab er auf. Seiner Meinung nach konnte man mit dieser Methode eine romantische Situation nie und nimmer erfolgreich aufrechterhalten. Er empfand die Vorrichtung als demütigend und fand, sie lenke die Aufmerksamkeit noch stärker auf seine körperliche Unzulänglichkeit.
Anschließend schlug ich ihm vor, es mit der Tri-Mix-Kombi-nation zu versuchen. Diese Methode ist weniger »technisch« als die Pumpe, und er könnte die Injektion in der Abgeschiedenheit des Badezimmers vornehmen. Er versuchte es mehrere Male, letztendlich aber brachte ihm auch diese Behandlungsart eine Enttäuschung.
»Darf ich Ihnen eine Frage stellen«, forderte Frank mich heraus, nachdem er die Injektionsmethode aufgegeben hatte. »Würden Sie permanente Kopfschmerzen, also Schmerzen, die Ihr Leben zum Stillstand bringen und Ihnen alle Lebensfreude nehmen, mit einer Spritze in den Kopf behandeln? Was wäre, wenn Sie sich jedesmal bei Kopfschmerzen entschuldigen müßten, um ins Badezimmer zu gehen und sich ein Arzneimittel hinter die Augen zu pumpen. Wie würde Ihnen das gefallen?«
Ich gab zu, daß es mir absolut nicht behagen würde.
»Und was Spontaneität und Romantik angeht, das können Sie vergessen«, fuhr er fort. »Ich fühle mich wie ein Motor, der auf die nächste Tankladung wartet. Ich fand früher schon jede kurze Unterbrechung lästig, die nötig war, um ein Kondom überzustülpen – ich hatte ja keine Ahnung. Diese Behandlungsmethoden mögen rein organisch gesehen funktionieren, aber sie sind vollkommen witzlos, wenn es um Emotionen geht – für mich und auch für die Frauen, die mich interessieren. Sie geben mir Tabletten für meinen Cholesterinspiegel, warum nicht auch für meine Erektionsstörungen?«
Franks Verzweiflung machte mich sehr betroffen. Das Problem bestand nicht nur in der beschränkten Auswahl an Behandlungsmöglichkeiten, sondern auch darin, daß sie so wenig Rücksicht auf die Männer nahmen, die sie benutzen sollten. Es handelte sich bestenfalls um Lösungen, die aus einer körperlichen Notwendigkeit heraus entstanden waren. Niemand jedoch, so schien es, nahm die geringste Rücksicht auf die emotionalen Aspekte der Behandlung, geschweige denn, daß es ein anwendungsfreundliches, erfolgreiches Heilmittel gab.
