Die Geburt der Sexualmedizin

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Die ersten Schritte, die zu einem besseren Heilmittel – einer Tablette – gegen Erektionsstörungen führten, wurden von Dr. Adrian Zorgniotti unternommen. 1990 überwies ich alle meine Patienten mit Erektionsstörungen an diesen Vorreiter der medizinischen Forschung, der den größten Teil seiner ärztlichen Laufbahn damit verbracht hatte, das Geheimnis der sexuellen Funktionsstörung zu lüften. Dr. Zorgniotti war der Meinung, daß Erektionsstörungen eine erhebliche physiologische Ursache hätten. Solange Penisprothesen auch bei Männern mit nur leichten Erektionsstörungen die einzige brauchbare Behandlungsmethode darstellten, bestand sein Ziel darin, den praktisch lahmgelegten Penis schnell und einfach wieder voll funktionsfähig zu machen. Dr. Adrian Zorgniotti war einer der ersten Ärzte, die zwei Wirkstoffe, nämlich Phentolamin und Papaverin, zu einer Schwellkörper-Injektion kombinierten, welche die Öffnung der Blutgefäße des Penis unterstützte.

»Adrian war ein echter Pionier auf dem Gebiet der Erektionsstörungen«, erinnerte sich Dr. Eli Lizza, den Dr. Zorgniotti im Jahre 1988 als jungen Urologen und Spezialisten für Mikro-chirurgie zu einer engen Zusammenarbeit eingeladen hatte. »Er war ein Visionär, der sich nie mit den ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zufriedengab. Er versuchte immer, noch einen Schritt weiter zu gehen und herauszufinden, wie er das Gebiet erweitern könnte.

Seine Injektionstherapie wurde äußerst populär, und Patienten aus der ganzen Welt kamen zu ihm«, erzählte Dr. Lizza. »Doch ausnahmslos jeder einzelne von ihnen fragte, ob es jemals eine Pille geben würde, die eine Erektion hervorrufen könnte.«

Dr. Zorgniotti kannte die besonderen Nebenwirkungen eines Medikaments, das in den Vereinigten Staaten seit über vierzig Jahren zur Behandlung von Bluthochdruck verwendet wurde. Regitin, auch als Phentolaminmesylat bezeichnet, war dafür bekannt, daß es bei vielen der Männer, die es einnahmen, Erektionen hervorrief. Jedoch war es noch niemand gelungen, eine Tablette mit dem Wirkstoff Phentolamin zu entwickeln, die Männern mit Erektionsstörungen helfen könnte.

»Adrian hatte erkannt, daß ein Bedarf bestand und beschloß energisch, Abhilfe zu schaffen«, erinnert sich Dr. Lizza, der zu jener Zeit ein Büro mit Dr. Zorgniotti in einem Wohnhaus in der 74. Straße in Manhattan teilte. Dr. Zorgniotti arbeitete in einem im Keller des Hauses eingerichteten Labor mit Medikamenten, die er von einem Pharmaproduzenten erworben hatte. Daraus stellte er seine eigenen Phentolamintabletten her, indem er das pulverförmige Medikament mit einem aus Stärke bestehenden Streckmittel vermischte und Stück für Stück Tabletten mit einer Dosierung von 25 oder 50 Milligramm preßte.

Die Ergebnisse waren äußerst vielversprechend. Dr. Zorgniotti verglich diese Patienten mit einer Gruppe von Männern, die Kapseln mit 5 Milligramm des Wirkstoffs Phenoxybenzamin eingenommen hatten, und fand heraus, daß 42 Prozent der Männer, die Phentolamin verwendeten, eine für die Penetration der Vagina genügend starke Erektion bekamen.

Es gab jedoch einen wesentlichen Nachteil: Es dauerte mindestens 90 Minuten, bis die Wirkung des Medikaments einsetzte, wodurch natürlich die Möglichkeit zur Spontaneität im Liebesspiel in empfindlicher Weise eingeschränkt wurde.

Dr. Zorgniotti ließ sich jedoch nicht beirren und entwickelte im folgenden Jahr ein neues Trägermittel, indem er eine oral zu verabreichende Lösung aus 20 Milligramm Phentolaminmesy-lat verwendete. Dieses Medikament in Tablettenform mußte man in der Mundhöhle behalten, bis es sich vollkommen aufgelöst hatte. Im Rahmen weiterer Versuchsreihen tränkte er Filterstreifen mit dem flüssigen Medikament, die anschließend zwischen die Backe und das Zahnfleisch gelegt wurden, wo das Medikament schnell in den Blutstrom aufgenommen wurde. Bei Versuchsreihen mit 69 Teilnehmern, wobei gleichzeitig eine Kontrollgruppe ein Placebo erhielt, zeigte sich ein eindeutiges Ergebnis: mehr als 32 Prozent der Männer reagierten mit einer vollständigen Erektion auf Phentolaminmesylat. Noch beeindruckender erwies sich die Tatsache, daß die Reaktion innerhalb von zwanzig Minuten eintrat. Zwar war dieses Medikament teuer und nicht leicht zu bekommen, dennoch gelang Dr. Zorgniotti damit ein weiterer Durchbruch bei der Entwicklung einer neuen Art der Behandlung von Erektionsstörungen.

Leider starb Dr. Zorgniotti 1994 an den Komplikationen einer schweren Form der Erwachsenendiabetes, bevor er die letzte Phase seiner Arbeit abschließen konnte. Er wurde 68 Jahre alt. »Ich habe ihn als meinen Mentor betrachtet«, sagte Dr. Lizza. »Mit ihm habe ich einen Freund und Ratgeber verloren. Die Medizin hat einen ihrer Größten verloren.«

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