Lange Zeit war die Behandlung von Erektionsstörungen und die unablässige Suche nach einem Mittel dagegen nichts als eine abenteuerliche Mischung aus Vermutungen, Mythen sowie der hergebrachten Methode von »Versuch und Irrtum«. Besonders verwunderlich ist es, daß die medizinische Forschung unseres Jahrhunderts, die weitgehend eine männliche Domäne war und ist, ausgerechnet einer der wenigen Krankheiten, die ausschließlich das männliche Geschlecht betreffen, so wenig Beachtung geschenkt hat. Schlimmer noch, das Problem wurde plump und recht gefühllos angegangen, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, ein leicht einzunehmendes Medikament zu entwickeln. Die Lebensqualität des Mannes hatte man dabei völlig außer acht gelassen. Wie gesagt, so war es bisher.
Es ist schon erstaunlich: Bei Abertausenden Männern untersuchte man das Herz, um geeignete Tabletten zu finden, die sie, in Verbindung mit einer Umstellung ihrer Lebensweise, gesund machen oder gesund erhalten sollten. Millionen Cholesterinspiegel wurden überprüft, um Medikamente in der richtigen Dosierung zu verabreichen und so eine lebensbedrohliche Störung zu bekämpfen. Zahllose Male wurde der Blutdruck gemessen, um mit Hilfe von Medikamenten Leben zu retten. Wenn es jedoch um das Problem einer regelmäßig wiederkehrenden, steifen Erektion ging – ein wesenthches Merkmal männlicher Identität – reagierte man mit Gleichmut. Millionen Männern wurde mitgeteilt, es handele sich um ein psychisches Problem, und die Schulmedizin habe keine Antwort darauf. Als ich selbst vor nicht mehr als fünfundzwanzig Jahren Medizin studierte, standen Erektionsstörungen nur am Rande auf dem Lehrplan. Warum?
Weil Sexualität – und insbesondere Erektionsprobleme – nie in vollem Umfang als geeignetes oder dringendes medizinisches Thema betrachtet wurden, geschweige denn als wesentlicher Bestandteil der Gesundheit und des Wohlbefindens. Als Folge davon hinÄe der Teil der Forschung, der sich mit dem Ablauf der männlichen Sexualität beschäftigte, hinter anderen Bereichen der Medizin weit hinterher.
In meiner eigenen Praxis zeigte sich die Sexualmedizin als ein Bereich, der sich nur schwer mit der medizinischen Untersuchung der männlichen Patienten verknüpfen ließ. Das war besonders deshalb frustrierend, weil die innere Medizin sich auf die Gesundheit des ganzen Patienten konzentriert, nicht nur auf einzelne Organe oder bestimmte Krankheiten. Ich konnte zwar den Frauen helfen, die wegen ihrer sexuellen Probleme zu mir kamen, indem ich sie an Spezialisten auf diesem Gebiet überwies, bei Männern war das aus zweierlei Gründen nicht möglich. Zum einen sprachen die meisten Männer nicht über ihre Erektionsstörungen, zum anderen standen kaum Lösungen zur Verfügung, und wenn, dann konnte man sie keineswegs als zufriedenstellend bezeichnen.
Es gab Zeiten, zu denen sogar ich selbst glaubte, daß ein Patient seine Erektionsstörungen eigentlich selbst in den Griff bekommen müßte. Ich muß zugeben, die vorherrschende Auffassung jener Zeit bestand tatsächlich darin, daß das Problem durch eine Veränderung von Verhaltensmustern zu lösen wäre, wie es etwa bei Übergewicht der Fall ist. Ich hoffte, daß es eines Tages ein Wundermittel geben würde, mit dem diesen Patienten geholfen werden könnte. Es würde nicht nur den Druck mindern und die Frustration beseitigen, sondern die Mediziner, die nicht wußten, wie sie den Männern helfen konnten, wären auch eines Teils ihrer Verantwortung enthoben.
Dieses Wundermittel hielt sich eine ganze Weile vor uns versteckt.
